Die IG Rote Fabrik ist ein Verein, der die Vermittlung und Förderung von zeitgenössischer und kritischer Kultur bezweckt. Seit 1980 bietet die IG Rote Fabrik eine wertvolle Alternative für den Kulturgenuss, der fernab von Mainstream und ...
Lange Nacht der Verwahrung
Kunstprojekt von #BigDreams & Hanspeter Zablonier
«Verdingt. Verwahrt.» ist ein Langzeitprojekt des transdisziplinären Künstler:innenkollektivs #BigDreams aus Zürich. Es entsteht mit und durch Hanspeter Zablonier; Jenischer, ehemaliges Verdingkind, gelernter Bäcker-Konditor, seit 28 Jahren verwahrt.
Lange Nacht der Verwahrung: Am 6. und 7. November geht #BigDreams in der Roten Fabrik auf Sendung mit einem 28 Stunden-Programm. Dabei wird Verwahrung aus verschiedenen Perspektiven diskutiert. Im Zentrum stehen Fragen zu Gerechtigkeit, Sicherheit und letztlich auch Sinn und Unsinn der Verwahrung: Was bestraft ein Strafrecht, das sich an zukünftiger Gefährlichkeit statt an begangener Schuld orientiert? Was schuldet der Staat Menschen, die er ohne Enddatum festhält? Wie führt ein Weg aus der Verwahrung zurück in die Freiheit?
Die Sendung richtet sich nicht nur an das Publikum vor Ort, sondern auch an jene, die nicht kommen können: Verwahrte und andere Insassen, die wenigstens Teile des Programms streamen oder nachhören können. Details zum Streaming werden in Kürze bekanntgegeben.
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Freitag, 6. November 2026
19:00–19:45 / Clubraum
Launch des #BigDreams-Podcasts: «Bis auf Weiteres»
Die Pilotfolge des #BigDreams-Podcasts «Bis auf Weiteres» wird live und vor Publikum veröffentlicht. Sie erzählt die Geschichte von Hanspeter Zablonier: wie aus einem jenischen Verdingkind ein Mann wurde, der seit bald 28 Jahren verwahrt ist, obwohl er zu einer kurzen Freiheitsstrafe verurteilt wurde. Wie konnte es so weit kommen, und wer hat an welcher Stelle entschieden? Zu Wort kommen Expert:innen, Zeitzeug:innen und Hanspeter Zablonier selbst.
20:00–21:00 / Clubraum
Publikumsgespräch: «Bestrafen, Therapieren, Verwahren?»
Was soll eine Massnahme leisten: Strafe, Therapie oder Schutz der Gesellschaft? Und wer entscheidet, wann genug ist? Ein Publikumsgespräch über Sinn und Unsinn im Massnahmenvollzug – mit Susan Boos und Elmar Habermeyer, Direktor der Klinik für Forensische Psychiatrie der PUK Zürich.
21:15-22:00 / Clubraum
Lesung: «Auge um Auge. Die Grenzen des präventiven Strafens» von Susan Boos
Wie sicher kann man wissen, ob ein Mensch wieder gefährlich wird? Die Journalistin Susan Boos ist dieser Frage nachgegangen, in der Schweiz, in Deutschland, Österreich und den Niederlanden. Sie hat mit Verwahrten gesprochen, mit Fachleuten aus Justiz und Vollzug, und die Geschichte der Schweizer Verwahrungspolitik seit den 1990er-Jahren nachgezeichnet. Ihr Buch zeigt, wie unsicher Prognosen sind und was es bedeutet, wenn ein Strafrecht nicht mehr auf eine Tat antwortet, sondern ein Risiko verhindern will.
22:00 / Clubraum
Apéro Riche und Start Nachtprogramm mit Musik von Hanspeter Zablonier.
Samstag, 7. November 2026
00:00-14:00 / tba
Musikprogramm kuratiert von Hanspeter Zablonier.
14:00-16:00 / Clubraum
#BigDreams-Podcast: «Gemeingefährlich. Eine Geschichte des Schweizer Massnahmenvollzugs.»
Weitere Episode des #BigDreams-Podcasts, live aufgezeichnet als Panel mit Gäst:innen in der Roten Fabrik. Wie wurde «gemeingefährlich» zu einer Kategorie, die über Freiheit entscheidet? Wer ist die Gemeinschaft, die geschützt werden soll, und vor wem? Und welche Linien führen von früheren Zwangsmassnahmen und sogenannten administrativen Versorgungen zur heutigen Verwahrung – und wo brechen sie ab?
19:00–19:45 / Clubraum
Einführung: «Der Fall Zablonier und das Schweizer Massnahmenrecht»
Eine kurze Freiheitsstrafe, gefolgt von bald 28 Jahren Verwahrung: Wie ist das rechtlich möglich? Stephan Bernard, Rechtsanwalt und Strafverteidiger, vertritt Hanspeter Zablonier. Er führt durch die wichtigsten Stationen des Falls – Urteil, Gutachten, Überprüfungen – und erklärt die Grundlagen der Verwahrung im Schweizer Strafrecht: wer verwahrt werden kann, wie die Gefährlichkeit beurteilt wird und warum der Weg hinaus so schwer ist.
20:00–21:45 / Clubraum
Talk & Publikumsgespräch: «Massnahmen und Masshalten»
Hugo Portmann, in den 80er- und 90er-Jahren als Bankräuber und «Ausbrecherkönig» bekannt, sass selbst 35 Jahre in Haft, wo er sich unermüdlich für die Rechte von Gefängnisinsassen einsetzte und Therapie als Voraussetzung für Haftlockerungen kritisierte. Mit Brigitte Hürlimann, Juristin und Justizjournalistin spricht er über das Leben in der Verwahrung und den Weg zurück in die Freiheit. Mit anschliessendem Publikumsgespräch gemeinsam mit Stephan Bernard.
21:45-23:00 / Clubraum
Ausklang und Sendeschluss.
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Hintergrund
Wegen einer Straftat wurde Hanspeter Zablonier 1999 ursprünglich zu zwei Jahren Gefängnis verurteilt. Obwohl er seine Haftstrafe abgesessen hat, kann er das Gefängnis bis heute nicht mehr verlassen. Er wird «verwahrt». Diese Verwahrung ist nicht zu trennen von seiner jenischen Herkunft und reiht sich in eine Schweizer Geschichte der Verfolgung und Repression von Minderheiten ein. Zabloniers Traum ist eine eigene Gastwirtschaft in Freiheit. Im Juli 2026 hat #BigDreams diesen Traum vorweggenommen: Im Restaurant «Schlüssel» in Zürich erzählte ein Menü an sieben Abenden seine Biografie, während er selbst in Pöschwies sass. Die Gewalttat, für die Hanspeter Zablonier verurteilt wurde, soll weder beschönigt noch in Frage gestellt werden. Zur Diskussion steht, was danach kam. #BigDreams Live in der Roten Fabrik ist die Fortsetzung dieses Langzeitprojekts, welches sich mit Gewalt und Mechanismen des Auschliessens und Einsperrens beschäftigt.
#BigDreams ist ein transdisziplinäres Künstler:innenkollektiv aus Zürich, 2020 gegründet von Sabina Aeschlimann und Daniel Riniker. Es arbeitet an den Schnittstellen von Theater, Performance und Medienkampagnen, mit Schwerpunkt auf Justiz und Strafvollzug.
Ein Projekt von und mit: Hanspeter Zablonier, Sabina Aeschlimann, Lee Fischer, Daniel Riniker, Eva Willenegger, Sebastian Aeschlimann, Ramon Süsstrunk, …
zur Website der Veranstalter:in
Clubraum
Seestrasse 395
8038 Zürich
+41 (0)44 485 58 58
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