Stoff für «Deep Talk» übers Wetter

Redaktion Andrea Keller
Redaktion Andrea Keller

Früher war das Wetter noch Wetter – und kein Drama! Oder doch? Ein Rundgang durch die Ausstellung «Wind und Wetter».

Die Ausstellung ist anlässlich des 350. Geburtstages vom Zürcher Johann Jakob Scheuchzer (*1672-1733) entstanden. Scheuchzer – seines Zeichens Universalgenie, Naturforscher, Arzt, Pionier – hat als erster Schweizer meteorologische Messungen vorgenommen. In der Schau in der Schatzkammer der Zentralbibliothek Zürich wird er nun gebührend gefeiert.


Mehr als Schnee von gestern

Jetzt könnte man sagen: Schön und gut, aber was hat dieser Scheuchzer mit mir zu tun, was interessieren mich Sonne, Regen und Schnee von «gestern»? Zum einen erinnert uns die Geschichte des Wetters an vergangene Extreme (im Jahrtausendsommer 1540 hat es beispielsweise während elf Monaten kaum geregnet, drei Jahrzehnte später führten anhaltende Niederschläge und Missernten zu einer Hungersnot). Sie zeigt, was die Menschen damals erlitten, auch überwunden haben. Zum anderen treffen wir in der Ausstellung auf beeindruckende Dokumente, Zeichnungen, die unter die Haut gehen – und auf einst heimische, schöne Vögel, die im Zuge der «Kleinen Eiszeit» im 16. und 17. Jahrhundert das Weite gesucht haben und nie mehr nach Zürich zurückgekehrt sind: der Bienenfresser, beispielsweise. Oder die Blauracke. Das berührt, ist auch einfach spannend. Und zu guter – beziehungsweise unguter – Letzt sehen wir anhand der Messungen und Historie, dass sich seit drei Jahrzehnten ein Anstieg der Temperaturen vollzieht; mit einer Geschwindigkeit, die wir in den letzten 2'000 Jahren vergeblich suchen.

Darüber sollten wir tatsächlich reden. Auch über die Gartenzäune hinweg, an den Busstationen und bei Apéros.

Bildlegende:
Bild 1: Hagel in Herrliberg (oben), Unwetter mit Feuer (unten) in Wipkingen, Juni 1586, ZB
Bild 2: Joh: Jacobus Scheuchzer: ZB, Graphische Sammlung
Bild 3: Ausstellungsbild ZB

Von Andrea Keller am 13. Oktober 2022 veröffentlicht.

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