Wenn der Bass das Denken übernimmt

Seit zehn Jahren touren Stephan Geiger und Mathias Oehy als Subsanity Soundsystem – mit eigenen Boxen und selbst kuratierten Tunes. Ein Porträt von einem Duo, das lieber über seine Leidenschaft als über sich selbst spricht.

Foto: Nils Lucas Mund
Foto: Nils Lucas Mund

An einem Soundsystem-Anlass wird nicht nur Musik gespielt, es passiert mehr. Es ist ein Erlebnis. «Manche Leute stecken den Kopf in die Boxen und bleiben da stundenlang», erzählt Mathias schmunzelnd. «Manche stehen einfach da, mit grossen Augen, völlig überrumpelt. Andere kommen zu uns ans Pult und wollen wissen, was dieser eine Regler genau macht.» Er zeigt auf den Preamp, das analoge Steuergerät und Herzstück des Systems. Hier passiert ein Teil der Magie: Bass rausdrehen, Delay rein, ein harter Drop, kurze Stille, dann wummert der Bass weiter. Stephan lacht: «Die Hosenbeine flattern mit dem Bass – manchmal fallen sogar Flaschen aus den Regalen!»

Mathias und Stephan blicken auf eine lange Freundschaft zurück. Mathias wuchs im Thurgau auf, bevor er in der 6. Klasse nach Winterthur kam, wo die beiden, heute Ende dreissig, sich anfreundeten. Nach der Schule machte Stephan eine Lehre als Maler, heute ist er freischaffender Grafiker. Mathias ist gelernter Zimmermann, heute ebenfalls selbstständig tätig. Die beiden bauten nicht nur ihr Soundsystem eigenhändig, sie organisieren auch Dances und machen Technik, Booking, Transporte, Flyer und Social Media alles selbst. Der Aufwand ist enorm. Zum Zeitpunkt des Projektstarts waren beide noch angestellt, ihre heutige Selbstständigkeit ermöglicht ihnen nun die Freiheit, diesen Aufwand überhaupt betreiben zu können. «Mit einem Nine-to-five-Job wäre das absolut unmöglich», meint Stephan.

 

«Wir haben bei jedem Gig wieder dieses Nervenflattern, ob auch wirklich alles funktioniert.» 

- Mathias Oehy

 

Beide erinnern sich genau an ihren «Point of no return»-Moment. Für Mathias war es ein Festival in Kroatien, für Stephan ein Dance in Neuchâtel. Dort erlebten beide unabhängig voneinander zum ersten Mal die Wucht und Energie eines Soundsystem-Anlasses. Stephan erinnert sich und reibt sich dabei über den Kopf, fast so, als glaube er es selbst nicht. «Da war klar: Wir wollen es schaffen, dass Menschen mit demselben Gefühl aus dem Dance rauslaufen, das wir damals hatten.» Deshalb begannen sie zu bauen. Zuerst zwei Boxen. Dann vier. Dann acht.

Ihre Boxen klingen besonders – organisch, tief, körperlich. «Jedes Detail ist durchdacht. Jede Wölbung im Holz verändert den Klang. Und jede Location klingt wieder anders», erklärt Mathias und lehnt sich an einen Speaker. «Wir haben bei jedem Gig wieder dieses Nervenflattern, ob auch wirklich alles funktioniert. Dieses Gefühl wird wohl nie ganz weggehen, weil wir unser Soundsystem stetig optimieren.»

Seit über zehn Jahren blühen die beiden in ihrer Leidenschaft auf. Ein wichtiger Ort auf ihrer Reise ist und war das Salzhaus. Hier durften die beiden ihre ersten grossen Soundsystem-Gigs veranstalten. Und hier feierten sie im September ihr zweitägiges Jubiläumsfestival. Neben ihnen legten auch grosse internationale Künstler:innen auf. «Channel One, General Levy – das sind Artists, die nicht einfach so in die Schweiz kommen», sagt Stephan und seine Augen leuchten. Für solche Artists ist das Setup entscheidend. Viele spielen nur, wenn ein Soundsystem vor Ort ist. «Das ist wie bei einem Pianisten, der seinen Flügel braucht», meint Mathias. Und fürs Publikum gilt Ähnliches: «Gewisse Leute kommen nicht, wenn sie wissen, es steht kein Soundsystem da.»

Macht Sinn, wahrscheinlich hätte auch niemand Mozart auf einem elektronischen Keyboard spielen hören wollen.

Von Coucou Kulturmagazin am 16. April 2026 veröffentlicht.

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