Fotocredits: Vanessa De Maddalena

Tatort Zürich: Wenn sich Rapper-Egos verflüchtigen und Raum und Zeit auflösen

Das Live-Projekt Style Bakery feiert mit einem Staraufgebot sein 5-Jahr-Jubiläum.

Bassist Antonio «Toni» Schiavano und Schlagzeuger Florian «Flo» Reichle backen fürs Leben gerne. Grooves, nicht Rosinenbrötli. Und dann stellen die beiden versierten Musiker, die man im urbanen Musikkontext permanent antrifft, diese den besten Rapper:innen und Sänger:innen der Schweiz zur spontanen Verwendung zur Verfügung. Alles findet auf der Bühne erstmals zusammen. Diese Frische kommt an: Die Style Bakery feiert bald ihr 5-Jahr-Jubiläum.
 

Was ist die Style Bakery?

Toni: Kurz gesagt: Eine Veranstaltungsreihe für Freestyle-Darbietungen mit Liveband, welche seit 2016 monatlich in Zürich stattfindet.


Wie habt ihr zusammengefunden?

Toni: Wir zwei spielen schon lange zusammen und brauchten ein gemeinsames Gefäss, um mit einem «improvisatorischen» Geist, live Hip-Hop umsetzen zu können.

Flo: Neben uns, ist jedes Mal auch ein Pianist dabei: Eliyah Reichen, Benj Kuelling, Marvin Trummer, Oliver Illi, Benjamin Schmid oder Andreas Achermann waren alle schon Teil der Style Bakery. Und Baqabond, ein äusserst talentierter Sänger und Rappper, ist seit 2016 unser Host.

Toni: Pablo Vögtli kompletiert das Team, seit wir im Moods auftreten.

 

Was passiert genau an den Konzerten?

Flo: Die Konzerte sind eine Mischung aus grob Einstudiertem und Improvisation. Es ist im Idealfall eine spirituelle Erfahrung. Wenn die Beteiligten einander vertrauen, tritt man gemeinsam eine musikalische Reise an unbekannte Orte an.


Ihr reproduziert und adaptiert bekannte Beats nach Wunsch der geladenen Rapper:innen. Wie geht das genau vor sich?

Toni: Wir versuchen, alles mit unserer eigenen Sprache umzusetzen, die auch von anderen Musikwelten geprägt ist. Wir machen nicht bewusst Remixes, und ein Original 100 Prozent live umzusetzen ist eigentlich nicht möglich, wir versuchen den Spirit der Songs zu destillieren und machen etwas daraus.

Flo: Mehrheitlich improvisieren wir aber. Die meisten Beats kreieren wir einfach aus dem Moment heraus.


Es war und ist eine ewige Diskussion im Hip-Hop. Viele sagen: Eine Liveband klingt niemals so fett wie Beats ab (gemasterter) Konserve. Wie seht ihr das?

Toni: Wir lieben beide Welten und diese befruchten sich gegenseitig seit eh und je. Wenn fett «aufgepummt» bedeutet, dann stimmt dieser Vorbehalt gegenüber Livebands. Aber eine Band muss auch nicht gleich «fett» klingen. Extra Super Powers wie Dynamik und Energie einer Band erzeugen eine andere Wirkung und führen zu einem einzigartigen Hörerlebnis.


Lange galten The Roots aus Philadelphia als Nonplusultra, was Live Hip-Hop anbelangt. Wie sieht das heute aus?

Flo: The Roots haben, nebst ihrer hohen Qualität als Liveband, Pionierarbeit geleistet und vielen Künstler:innen inen Weg aufgezeigt, wie man Rapmusik mit Instrumenten umsetzen kann.

Toni: Heute gibt es eine immense Bandbreite an Künstler:innen, die dies auf ihre eigene Weise tun.
 

Alle beklagen immer den Mangel an guten Female MC’s, wie seht ihr das?

Toni: Wir schätzen und hören Little Simz, Rapsody, KT Gorique, Burni Aman, Sampa The Great oder Steff la Cheffe.
 

Gibt es eine Rapperin, einen Rapper, auf den ihr noch wartet?

Toni: Ja, gibt es: Yasiin Bey und Georgia Anne Muldrow.
 

Wird es irgendwann auch mal Aufnahmen der Style Bakery geben?

Flo: Vielleicht. Allerdings liegt unser Fokus in Sachen Produktion auf unserem Projekt The Beautiful Now. Da haben wir jeweils auch viele internationale Rap Wizards dabei.
 

Am 5-Jahr-Jubiläum treten Rapperinnen und Rapper, aber auch Produzenten sowie Sängerinnen und Sänger auf. Was wird genau passieren?

Toni: Wir haben alle Artists eingeladen, die jemals an der Style Bakery teilgenommen haben. Nicht alle, aber viele werden der Einladung folgen.

Flo: Die Improvisation beschränkt sich nicht nur auf unsere Vocal Guests. Wir haben an dem Abend auch Ausnahmetänzerin Venance Gwladys mit dabei. Ausserdem sorgen die DJs Khaderbai, Jesaya, Darknight & Ironaut-1 für Vibe und Party zwischen den Livesets.
 

Was macht einen magischen Style Bakery Abend aus?

Flo: Wenn Impro, Publikum und Bühne eins werden…

Toni: … und sich Egos durch die Kraft des Ganzen verflüchtigen.


An den Style Bakery Sessions geht es um Spontaneität und um den Moment – nichts ist für die Ewigkeit. Gibt es trotzdem einen Moment, den ihr gerne festgehalten hättet – und wenn ja welchen?

Toni: Ja und nein…

Flo: Für uns gibt es mehrere Momente pro Abend, in denen sich Raum und Zeit auflösen.

Toni: Genau für diese Momente leben wir.

Flo: Und halten sie im Gedächtnis fest.

 

Fotocredits: Vanessa De Maddalena

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Von Adrian Schräder am 03. Mai 2022 veröffentlicht.

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