Tattoo or not tattoo?

Redaktion Gretta Bott
Redaktion Gretta Bott

Die neue Ausstellung «INK*» fragt im Musée Visionnaire, welches Tattoo Kunst ist, welches weg kann und auch, wer das Recht an einem Tattoo besitzt. 

Ich liebe Tattoos, obwohl ich selbst keine habe. Mich faszinieren die Zeichnungen auf allen möglichen Körpern an allen möglichen Stellen und ich mag es, wenn mir die Tätowierten die Geschichten hinter ihren kleinen Kunstwerken erzählen. Weil genau das ist ja ein Tattoo in den meisten Fällen: Eine Erinnerung an ein besonderes Erlebnis, an einen geliebten Menschen oder an das verstorbene Haustier.

Aufgrund meiner Faszination für die Hautkunst sowie deren Weiterentwicklung im Lauf der Zeit – was Formen, Farben und die Innen- wie Aussenwirkung angehen – habe ich natürlich die Ausstellung «INK*», die im Musée Visionnaire noch bis am 2. März 2025 zu sehen ist, besucht.

Ich besuche die Ausstellung gemeinsam mit meiner Schwester, auch sie: untätowiert. So viel ich weiss. 

Die Ausstellung beginnt mit einem riesigen Banner voller individueller Tattoo-Vorstufen. Meine Schwester studiert die Zeichnungen und fragt konsterniert: «Eine Mayonnaise-TubeI? Wer würde sich sowas stechen lassen?». Ich räuspere und murmle den Namen einer anderen Schwester. Wir kichern: «Stimmt, hahaha, stell dir vor!».

Die Ausstellung beginnt mit Herbert Hofmann, einem Urvater der Tattoo-Kunst. Er führte das erste Tattoo-Studio Hamburgs, das den simplen Namen Älteste Tätowierstube in Deutschland trug. Hoffmann setzte sich sehr für die Anerkennung der Kunst ein, unter anderem mit seiner Tattoomaschine, die er seriell produzieren liess und die man bei ihm erwerben konnte. Seine Tattoos sind klassisch und bunt, ganz so, wie ich sie mir an einem Seeman aus dem Jahre 1950 vorstelle. Mit weiteren Einblicken zu diversen Schweizer Tätowierer:innen fragt die Ausstellung unterschwellig, was Kunst ist. Welche Tattoos sind kunstvoll, welche nicht? Wer ist Besitzer:in eines Tattoos? Künstler:in oder die tätowierte Person? Ist der tätowierte Körper eine Art Galerie und die Tätowierten deren Kurator:innen? 

Zum Schluss erwartet uns eine regelrechte Farbexplosion: Es ist das Wandgemälde des Österreichers Fritz Hortig, der – obwohl linkshänder – mit seiner schwächeren rechten Hand zeichnet und das ohne Vorlage! Auch er tätowiert und dabei geht er wie bei seinen Wandgemälden vor: Im Gespräch mit seinen Kund:innen entscheidet Hortig ad hoc, was er tätowiert. Und wenn er dabei aus der Linie fährt oder etwas nicht gelingt wie gedacht, ist es nicht schlimm. Meine Schwester und ich sind zuerst schockiert, dann aber kommen wir zu der (vielleicht ausschliesslich familieninternen, logischen) Erkenntnis, dass das eigentlich die ehrlichste Art von Tattoo wäre. 

Die Ausstellung bleibt hängen, obwohl wir nicht einmal eine Stunde darin verbracht haben. Ich war immer schon fasziniert von Tattoos, aber es gibt auch diejenigen Menschen, die das kategorisch ablehnen. Das verstehe ich nicht, muss ich aber auch nicht. Mier bleibt da vor allem Herbert Hoffmanns Plädoyer für Toleranz in Erinnerung, das in der Ausstellung zu sehen ist:
 

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Von Gretta Bott am 24. Oktober 2024 veröffentlicht.

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