Mein erstes Mal … im Theater Zollhaus bei «anundpfirsich»

An der Langstrasse wird nicht nur konsumiert, sondern auch improvisiert. Ein Erstbesuch im Theater Zollhaus.

(Improvisierter Krimi: Jedes Stück hat einen neuen Cast. Hier im Bild Niggi Hégelé.)


Zugegeben, einige Figuren und Szenen, die so in Erscheinung getreten sind, waren enorm unterhaltsam. Besonders bemerkenswert war eine quirlige Forensiker, die schnell wie ein Maschinengewehr quasselte und am liebsten mit dem Kommissar knutschen würde oder eine spontane Verfolgungsjagd auf dem Trottinett. Auch das ist wohl das Besondere am Importheater, doch die Qualität der Figuren und des Schauspiels schwankte zumal stark. Für jeden gelungenen Charakter warteten zwei bis drei uninspirierte Persönlichkeiten, die die Handlung ins Nichts führten. So mussten sich die Schauspieler:innen und wohl auch das Publikum immer wieder daran erinnern, dass ja eigentlich ein Mordfall aufgedeckt werden soll. Beispielsweise wird Kommissar Knöpfli in einer Szene von der Staatsanwältin gemahnt, endlich den Fall zu lösen und in der nächsten befindet er sich prompt auf dem Golfplatz mit einem Kollegen. «Ich weiss gar nicht, was ich hier mache, ich muss ja einen Mord aufdecken!», ruft Knöpfli entgeistert ins Publikum und erntet grosse Lacher. 

 

Das Wesen des Improvisationstheaters das Ungeplante, das Unvorhersehbare, das Orgiastische. 

 

Dass ein improvisierter Krimi nicht an einen «Tatort» ankommt, ist mir selbstverständlich klar. Trotzdem war ich überrascht, wie erzwungen sich teilweise die Handlungen anfühlten und die Auflösung des Falles glich schlussendlich einer Zangengeburt (es war die Drogendealerin, weil sie Drogen durch die Pumpanlage des Hallenbades schmuggeln wollte – frag mich nicht). Wenn ich ehrlich bin, hätte ich wohl lieber ein unverhülltes Improvisationsstück erlebt, das nicht in den Deckmantel eines Krimis gedruckt wird. Schliesslich ist das Wesen des Improvisationstheaters das Ungeplante, das Unvorhersehbare, das Orgiastische. Das sollte man wohl lieber in seiner reinen und ungebändigten Form erleben. Ich für meinen Teil werde bestimmt wieder ins «anundpfirsich» gehen – aber dann spontan. 

Von Severin Miszkiewicz am 08. Februar 2024 veröffentlicht.

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